4.11.13, Neuseeland, Süden der Südinsel

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Die Überfahrt auf die Südinsel Neuseelands verlief sehr ruhig. Nicht stürmisch, wie befürchtet. Auch hier wurden wir vom typisch neuseeländischen Wetter begrüsst. Nebel, Regen und starker Wind herrschte in Picton. Deshalb fuhren wir gleich weiter Richtung Süden zu den Nelson Lakes. Dort probierte Thomas nochmal sein Glück beim Fischen, leider ohne Erfolg. Es schien ihm auch nicht wirklich Spass zu machen bei diesem Regen. Es regnet in Strömen oder aus Kübeln sind zu gelinde Ausdrücke für diese Mengen von Wasser, die hier vom Himmel donnerten. Vor allem an der Westküste hatten wir soooooo viel Regen, man kann sich das gar nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Die Westküste ist aber auch eine der regenreichsten Regionen Neuseelands sei dazu noch gesagt. Wenn es in der Schweiz so viel regnen würde, wäre alles überflutet. Überall lief Wasser von den Hängen, es bildeten sich Bäche, wo sonst keine existieren. Entlang der Küste sind wunderschöne einsame Strände und die Wellen sind eindrücklich hoch und wild. Aber aufgrund dieser sturzbachartigen Regenfälle hatten wir entsprechend wenig Lust unser Fahrzeug zu verlassen und entschieden uns, weiter Richtung Süden zu fahren. Auch Captain Cook empfand 1770 die Küste als „ungastliches Ufer“. So kamen wir dann relativ schnell nach unten zu den Gletschern Fox und Franz Josef. Da wir wieder mal unsere Kleider waschen mussten, nächtigten wir bei einem Campingplatz, wo es alle Annehmlichkeiten gibt, wie warme Dusche, Küche und Waschraum. Da es immer noch sintflutartig regnete, wurde das waschen zum Spiessrutenlauf. Den Schirm mitzunehmen war sinnlos, denn der Regen kam von überall, so sprintete ich halt hin und her. Mal ein anderes Wascherlebnis… Am nächsten Tag regnete es nicht mehr so, darum nutzten wir die Gunst der Stunde und besichtigten den Fox Gletscher. Die beiden Gletscher sind so speziell, weil sie sich fast auf Meereshöhe befinden und nach kurzer Autofahrt ist man auch schon am Meer. Weiter fuhren wir dann über den Haast Pass, der aufgrund der anhaltenden Regenfälle zeitweise gesperrt ist. Wir hatten Glück und konnten ihn gleich passieren. Wanaka war unser nächstes Ziel und je mehr wir uns diesem Ort näherten, desto besser wurde das Wetter und als wir dann bei den wunderschön, leuchtend blauen Seen waren, zeigten sich der Himmel und die Sonne in voller Pracht. Das war Balsam für unsere Seelen. In Wanaka campierten wir am See. Am nächsten Tag wollten wir diese wunderbaren Seen noch von oben sehen und wanderten deshalb auf den Mount Isthmus. Anfangs ging der Weg durch eine Schafweide und da gerade Lammsaison war, gebar doch glatt ein Schaf ein Lamm zmitzt auf dem Wanderweg. Die Aussicht vom Mt. Isthmus war bombastisch, wir sahen die tiefblauen Seen und die verschneite Berglandschaft in einem 360 Grad Panorama. Abends besuchten wir noch kurz Arrowtown, eine alte Goldgräberstadt, welche immer noch ein wenig dieser Atmosphäre verströmt.

Weiter ging es dann nach Queenstown, eine Actionstadt, in der man alles machen kann von River Rafting, Bungee jumping, Skydiven und und und. Da wir nicht so wirklich die Adrenalinjunkees sind, entschieden wir uns fürs wandern. In Neuseeland gibt es die „Great Walks“, mehrtägige Wanderungen, die sehr bekannt und während der Saison total ausgebucht sind. Einer dieser Great Walks ist der „Routburn Track“ und diesen wollten wir in Angriff nehmen, zumindest die Hälfte, weil Anfang und Ende nicht am selben Ort sind. So erkundigten wir uns beim DOC Office. Das DOC (Department of Conservation) ist eine staatliche Einrichtung die für den Schutz der Ökologie zuständig ist und gleichzeitig den Ansprüchen des Tourismus genügen soll. Überall im ganzen Land gibt es gut beschilderte Pfade, eine Menge Campingplätze, Hütten und Informationsbüros. Auf diesem Büro erkundigten uns dann über die Bedingungen des Wanderwegs. Alles schien ok und so machten wir uns an die Vorbereitungen und zogen los. Die Falls Hut war unser erstes Ziel, welches wir mühelos erreichten, obwohl es immer wieder regnete. Die Aussicht konnten wir nur erahnen, denn es war ziemlich neblig. In der Nacht hat es so extrem gestürmt und die ganze Hütte hat gewackelt, ich dachte nun hat unser letztes Stündchen geschlagen und wir sausen mit samt Hütte den Hang hinab. Aber so schlimm kam es nicht. Nach einer klirrend kalten Nacht frühstückten wir gemütlich in der Hütte und warteten ab, was das Wetter macht, um noch weiter nach oben zu wandern. Wir gingen gegen Mittag los, aber nach 20 Minuten kehrten wir um, da es zu stark windete, der Weg ein Bach war und es auch noch anfing zu schneien, was sich mit dem starken Wind wie Nadeln im Gesicht anfühlte.

Wir entschieden uns zur weiter unten gelegenen Hütte zu gehen und Thomas war so galant und holte Essensnachschub beim Auto (7 km ein Weg). Ich versuchte inzwischen ein Feuer in der Hütte zu entfachen. Was mit nassem Holz eher schwierig ist. Aber schlussendlich hatten wir ein wärmendes Feuer, eine heisse Suppe und einen gemütlichen Abend. Zur Belohnung zeigte sich noch der Sternenhimmel mit Vollmond in seiner ganzen Pracht! Am nächsten Tag stapften wir wieder los zum Harris Saddle, trotz Kälte und Schnee. Die Bedingungen waren etwas besser als Tags zuvor. Der Weg hinauf war sehr schön und hätte auch in den Schweizer Bergen sein können, wir fühlten uns fast wie zu Hause. Aber auch hier konnten wir die wunderbare Aussicht nur erahnen. Auf dem Rückweg lagen viele Bäume im Weg, die zwei Tage vorher noch nicht da waren und zeigten das Ausmass der enormen Naturgewalten hier. Müde aber zufrieden suchten wir in Queenstown einen Campingplatz, wo wir wieder mal eine warme Dusche nehmen konnten.

Weiter ging es nach Te Anau, in Fjordland, der grösste Nationalpark des Landes zu dem zwei der tiefsten Seen und 15 Fjorde gehören. Dort wollten wir den nächsten Great Walk machen, den Milford Track, bevor fünf Tage später die Saison beginnt und alles ausgebucht ist. Wettermässig schien es  günstig zu sein, also kauften wir genug Proviant ein und packten unsere sieben Sachen, bevor sie uns am nächsten Tag nach einer zweistündigen Bootsfahrt in der kompletten Wildnis aussetzten. Schon die Bootsfahrt auf dem Lake Te Anau war ein Highlight. Die Berglandschaft, Wälder und die Wasserfälle waren fantastisch. Am Ende des Sees angekommen, war der Bootssteg unter statt über Wasser… Aber unser Kapitän lieferte uns sicher an Land ab. Bei prächtigstem Sonnenschein wanderten wir zur ersten Hütte. Der Weg schlängelte sich durch den Wald und hinauf im Tal des Clinton River, wo links und rechts gewaltige, steile Felswände empor ragen. Von diesen Felswänden fliessen überall Wasserfälle in die Tiefe. Wenn es Schnee hat, herrscht hier eine enorme Lawinengefahr, da der Schnee oben von nichts aufgehalten wird und an den Wänden ungebremst in die Tiefe des Tal donnern. Diesen Winter schien es einige Lawinenniedergänge gegeben zu haben. Die gewaltigen Geröllmassen die im Tal lagen und alles mit sich gerissen haben (unter anderem auch ein Klo), zeigten die enorme Kraft. Drei mal mussten wir uns den Weg durch das Geröll suchen. Da die „Great Walk Saison“ noch nicht begonnen hat, waren auch noch keine Brücken montiert und bei einem Fluss blieb uns dann nichts anderes übrig, als barfuss durch den eiskalten Fluss zu waten. Als am nächsten Tag der Himmel immer noch stahlblau war, freuten wir uns und liefen so früh als möglich los, um im Sonnenschein zum Mackinnon Pass zu wandern. Auf dem Weg zur nächsten Hütte sind die höchsten Wasserfälle Neuseelands, die Sutherland Falls (580 m), welche wir natürlich sehen mussten. Man kann sehr nahe zu den Fällen laufen, aber man kann keine Sekunde da stehen und man ist von oben bis unten nass. Aber die Höhe dieser Fälle war gewaltig und man kommt sich sehr winzig vor. Immer wieder kamen wir an imposanten Flüssen und Wasserfällen vorbei und gelangten schliesslich zur zweiten Hütte. Dort angekommen fing es am Abend schon an zu regnen und kündigte den nächsten Regentag an.

So zeigte sich der Morgen grau in grau und regnerisch. In Regenmontur zogen wir los und nach einer halben Stunde musste ich feststellen, dass meine Jacke nicht mehr wasserdicht ist und der Weg war noch weit (ca. 16 km) und der Regen schien auch nicht nachlassen zu wollen. Thomas lief mit seiner neuen regendichten Jacke voran. Durch den starken Regen hatten wir auf dem Pfad immer wieder Bäche zu überqueren. Anfangs suchten wir uns vorsichtig einen Weg über Steine, um keine nassen Füsse zu kriegen. Als wir dann aber an einen ziemlich grossen Fluss kamen, wo keine Steine mehr hervorguckten, blieb uns keine Wahl, als einfach hindurch zu laufen. Zum Glück war das Wasser nicht all zu kalt und zum guten Glück hab ich noch meine Hosen hochgekrempelt… Hätt ich gleich lassen können, denn das Wasser reichte bis über die Knie. Ich versuchte positiv zu denken, marschierte schnellstmöglich durch den Wald und ignorierte die Nässe, die sich immer weiter und weiter ausbreitete. Thomas hatte überhaupt keine Mühe. Das Abenteuer machte ihm sichtlich Spass. Die tiefste Stelle, die wir durchliefen, war hüfthoch. Da musste ich lachen und an das erste Bächlein denken, wie wir noch versuchten, keine nassen Socken zu bekommen. Schlussendlich kamen wir, nach vier nassen Stunden im Stechschritt ohne halt, beim Sandfly Point an. In der Schutzhütte zogen wir uns warm an und kochten eine heisse Suppe. Was für eine Wohltat! Unser Abholservice brachte uns dann nach einer rasanten Bootsfahrt und einer angenehmen Busfahrt wieder zurück nach Te Anau. Zur Belohnung buchten wir uns für den nächsten Tag eine Bootstour auf dem Doubtfull Sound, einer dieser Fjorde und gingen Pizza essen.

Schon die Anfahrt zum Fjord war spannend. Zuerst schipperten wir über den Manapouri See. Schon dort kündigte sich die schöne Natur an mit den bewaldeten Bergen. Auf der kurzen Busfahrt wurde uns dann erklärt, dass hier die Bäume fast ohne Erde an den Felsen wachsen. Durch die vielen Regenfall im Winter entstand dadurch eine Baumlawine! Man konnte das Loch sehen in der Felswand, was sehr eindrücklich und neu für uns war. Da haben wir wieder was dazugelernt.

Das Schiff legte ab und wir schifften los über den Fjord. Der Naturalist Josh erklärte während der Fahrt, vieles über die Landschaft, die Tierwelt und Pflanzenwelt des Fjords. Er stand unermüdlich draussen bei Wind und Regen und erzählte uns die Fakten. Unter anderem die interessante Geschichte, warum so viel Wild nach Europa exportiert wird. Zuerst haben sie vor vielen Jahren die Hirsche ausgesetzt, um sie zu jagen. Aber schnell merkten die Neuseeländer, dass die Hirschen eher eine Plage sind, da sie die ganzen Wälder auffressen. So engagieren sie Jäger, die die Hirsche ausrotten sollen. Zuerst wurden die Kadaver einfach in den Wäldern gelassen. Später flogen sie sie mit Helikoptern aus. Die Neuseeländer sind auch so wagemutig, dass sie das Wild vom Helikopter springend fingen um sie dann zu züchten. Sie waren auch so schlau und merkten, dass das Fleisch vorzüglich ist und die Europäer Wild lieben. Und jetzt exportieren sie wie wild Wild, aber nicht aus freier Wildbahn, sondern die Hirsche und Rehe leben hier auf Weiden wie die Schafe und Kühe.

Zurück zu Josh, er stand auch unter einen der Wasserfälle, um zu demonstrieren, wie viel Wasser von diesen Fällen kommt, indem er eine 30 Liter Pfanne unter den Wasserfall hielt, es ging ratzfatz und die Pfanne war voll. Ab und zu wagten wir uns auch an Deck. Durch die heftigen Regenfälle bildeten sich auch hier unzählige Wasserfälle in den Bergen, was sehr imposant aussah. Am Nachmittag gingen wir dann noch mit dem Kajak aufs Wasser, um die Felsen von nahem zu sehen. Zum Abendessen gab es ein riesiges Buffet, wo wir herzhaft zuschlugen. Wir verbrachten einen lustigen Abend mit einem belgischen Paar, das in den Flitterwochen war.

Am nächsten Tag machten wir noch knapp vor einer 900 hohen Felswand halt, die direkt aus dem Wasser ragt. Die Bootsfahrt hat uns sehr gut gefallen, nach dem Milford Track genau das richtige.

Ich habe jetzt beim schreiben bemerkt, dass ich fast nur über „Wasser, Regenfälle, Wasserfälle, Regen, überflutet, nass, wasserdicht, Wind“ etc. geschrieben habe. Ich hoffe, es hat euch noch nicht „abgelöscht“. Uns zum Glück noch nicht. Wir haben trotz des vielen Regens hier das Beste daraus gemacht und es gefällt uns extrem gut hier! Und es kommt ja sicher besser. Mein Wort in Gottes Ohren…

Und es wurde besser! Wir reisten weiter nach Süden und wollten die Pinguine sehen. Dafür fuhren wir auf die schöne Otago Peninsula. Am Ende des Strandes wo die Pinguine gegen Abend zu ihren Nestern zurückkehren sollen steht eine „Beobachtungshütte“, ein Holzverschlag mit Schlitz zum hindurchschauen. Da die Pinguine extrem scheu sind, soll man sie von da aus beobachten. An diesem Abend hatten wir kein Glück.

Wir fuhren weiter nach Oamaru, wo es noch mehr Pinguine geben soll. Und tatsächlich sahen wir von weitem die kleinen, tapsigen Vögel über den Strand watscheln. Ein besonderes Erlebnis, da diese Gelbaugenpinguine sehr selten sind. Und dabei anzumerken ist, dass dies bei strahlendem Sonnenschein geschah!

Nach einem kurzen Stadtrundgang in Oamaru und einem Besuch von Thomas beim Barber, entschlossen wir uns zum Lake Aviemore zu fahren, den uns die nette Frau bei der Touri Info empfohlen hat. Thomas versucht am Abend nochmal sein Glück beim fischen und siehe da! Ein Prachtsexemplar hat er aus dem See gezogen. Innert 30 Minuten wurde er verarbeitet, gekocht und gegessen. Frischer hab ich noch keinen Fisch gegessen. Er schmeckte vorzüglich!

Und der nächste Tag wurde ein Traumtag! Sonnenschein, kein Wind und keine Menschenseele weit und breit. Wir verbrachten den Tag relaxt am See mit fischen, lesen, schreiben, baden, SÖNNELE, essen und faulenzen. Thomas hat auch nochmal zwei Fische gefangen!

Den höchsten Berg in Neuseeland wollten wir natürlich auch sehen, drum fuhren wir zum Mount Cook Village und wanderten durch das Hooker Valley. Mount Cook zeigte sich in seiner ganzen Schönheit. Die kurze Wanderung ans Ende des Tals zum Gletschersee ist sehr schön. Am Abend gab es dann noch die zwei Fische zum Znacht. Ein Festschmaus im Alufolienpack mit Kartoffeln, Rüebli und Zwiebeln.

Da wir vom Wandern noch nicht genug hatten und die Bergkulisse so imposant war, wollten wir mehr sehen und machten uns auf zur Mueller Hütte. Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir los und das Panorama war atemberaubend schön. Nach 1000 Höhenmeter erreichten wir durch hüfthohen Schnee die Hütte. Ein kalter Wind blies uns um die Ohren und zehn Minuten später war die Sonne weg und es schneite… Wieder unten fuhren wir gleich wieder weiter zum Lake Tekapo. Der Weg ging vorbei am Lake Pukaki, ein wahnsinnig türkis leuchtender See. Unglaublich, diese Farbe.

Auch der Lake Tekapo war wunderschön. Wir gingen auf den Campingplatz, da man um diesen See nicht wild campieren darf. Thomas bringt am Abend wieder einen Fisch nach Hause! Hmmmmm.

Wir reisten von einem See zum nächsten. Von Pfnueli haben wir den Tip bekommen, zum Lake Heron zu fahren, der sei gut zum fischen und man sei für sich. Diesem Tipp folgten wir. Nur war es prompt der erste Tag, an dem man in diesem See fischen konnte und der Camping dementsprechend voll. Aber die Kulisse mit all diesen Bergen ist unglaublich schön und wir haben noch ein Plätzchen zum übernachten gefunden. Scheinbar sind hier einige Szenen zu Herr der Ringe gedreht worden, wir wissen zwar nicht ganz welche, aber wenn wir zu Hause sind schauen wir die Filme halt wieder einmal. Und man kann auch verstehen, weshalb diese Gegend ausgesucht wurde, denn es ist wunderschön hier.

Nun freuen wir uns auf die Zeit mit Möni und Pasci, die gestern hier eingetrudelt sind.

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